Wie der Heilige Geist wirkt

Wie der Heilige Geist wirkt

02.06.2017 / Geistliches Wort /
 
Das geistliche Wort zu Pfingsten von Monsignore Ortwin Gebauer

Den Heiligen Geist erkennt man an seinem Wirken und an seinen Wirkungen. Paulus spricht von den Früchten, die er schenkt.

Exemplarisch zeigt sich das an Pfingsten, als der Heilige Geist sich durch drei machtvolle Zeichen zu erkennen gibt. Es heißt im Bericht der Apostelgeschichte: „! Als der Pfingsttag gekommen war, befanden sich alle Jünger am selben Ort. Plötzlich kam vom Himmel her ein Brausen, wie wenn ein heftiger Sturm daherfährt und erfüllte das ganze Haus, in dem sie waren.“ ( Apg 2,2)

Das ist das Erste. Der Pfingstgeist kommt als heftiger Sturm.- Was bedeutet das? – Der Geist ist nicht nur die sanfte Taube – er kommt mit Macht, mit Gottes Allmacht. Er verändert die Welt, er fegt Altes, Morsches, Totes hinweg und schafft Raum für neues Leben. Er erneuert das Antlitz der Erde (Ps 104,30). Wie? Zum Beispiel durch geisterfüllte, von Gott begeisterte Menschen, die Geschichte machen, die die Welt positiv verändern. Wie es dann auch die Apostel taten. Was als kleine, unscheinbare Gruppierung in Jerusalem begann, wurde bald mit einer unerhörten Dynamik zu einer weltweiten Bewegung. Wie ein Sturm kam das Christentum über die Welt – und fegte schließlich das Römische Weltreich hinweg, in dem die Christen von den heidnischen Kaisern verfolgt wurden.

Der Heilige Geist kommt als heftiger Sturm, das ist das Erste. Dann lesen wir weiter: „ Danach erschienen ihnen Zungen wie von Feuer, die sich  verteilten . Auf jeden von ihnen ließ sich eine  nieder.“ (Apg 2,3)

Der Geist kommt wie Feuer. Er ist das göttliche Licht. Der Mensch sucht nach Sinn, nach Orientierung. Er fragt – und wenn es unbewusst  ist : wofür lebe ich eigentlich?

Der Geist Gottes gibt die Antwort. Er schenkt den Menschen das Glaubenslicht. Wer glaubt, dem gehen die Augen auf. Der sieht weiter. Und wer glaubt, dem wird es auch warm ums Herz. Denn das Licht des Glaubens ist ein lebendiges, warmes Licht. Es schenkt Vertrauen, Geborgenheit, Trost.

Darum nennt Jesus den Geist auch den Tröster, den Beistand (Joh 14,16).  In allen Nöten, Widrigkeiten  und in der Trauer ist der Glaubende getröstet. Beachten wir auch, dass es heißt: „ Auf jeden von ihnen ließ sich eine Feuerzunge nieder“. Der Heilige Geist kommt nicht auf die Jünger als Kollektiv herab, sondern  er sieht den Einzelnen, jeden Einzelnen in seiner Individualität und teilt ihm seine ganz spezielle Gnadengabe mit.

„Jeder hat sein eigenes Charisma, seine eigene Gnadengabe von Gott“, sagt der Apostel Paulus (1 Kor 7,7) und zählt im Brief an die Korinther einige solcher individuellen  Talente auf, die sich in der Gemeinde finden: „Dem einen wird vom Geist die Gabe geschenkt, Weisheit mitzuteilen… dem anderen im selben Geist Glaubenskraft, einem anderen – immer in dem einen Geist – die Gabe, Krankheiten zu heilen … sodann die Gabe, zu helfen, zu leiten … Das alles bewirkt ein und derselbe Geist, einem jeden teilt er eine besondere Gabe zu, wie er will.“ ( 1 Kor 12.8-11).

Von der „ Frucht des Geistes“, die unterschiedliche Gestalt hat, spricht der Apostel im Brief an die Galater ( 5,22 ): „Liebe, Freude, Friede, Langmut, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut, Selbstbeherrschung“.

Und schließlich das dritte Zeichen, mit dem sich der Heilige Geist am Pfingsttag offenbart: das Sprachenwunder: „ Alle wurden mit dem Heiligen Geist erfüllt und begannen, in fremden Sprachen zu reden, wie es der Geist ihnen eingab“   ( Apg 2, 4 ). Die  Jünger beherrschten plötzlich alle möglichen Sprachen und verkündeten in ihnen Gottes große Taten“. ( Apg 2, 11)

Gottes Geist schafft Verständigung, Gemeinschaft, Einheit über alle Grenzen hinweg. Er vereint die vielen Völker und Sprachen im selben Glauben.

So ist an Pfingsten schon anfanghaft die weltumspannende Kirche vorgebildet, zu der wir durch die Taufe gehören,  die größte Religionsgemeinschaft der Welt. Und wir sehen, dass diese universale Glaubensgemeinschaft nicht Menschenwerk ist,  sondern vom Heiligen Geist kommt.

Merken wir, wie der Heilige Geist wirkt – machtvoll in der Geschichte – aber auch in jedem und jeder von uns  Christen ?

In der Taufe sind uns durch den Heiligen Geist die göttlichen Tugenden
Glaube (
fides ), Hoffnung (spes ) und  Liebe (caritas ) geschenkt worden  ( vgl. 1 Thess 1, 3 ). Sie sind Gaben des dreieinigen Gottes und gründen in der Beziehung zu ihm. Sie befähigen den Christen, mit Gott zu leben. Sie entfalten sich im Handeln des getauften Menschen und in seinen Gewohnheiten.

Glaube gibt dem Christen die Sicherheit, dass er von Gott gehalten ist. Hoffnung eröffnet eine Perspektive für die Zukunft,  auch über den Tod hinaus. Liebe richtet das Denken und Handeln auf Gott und die Mitmenschen aus.

Die Liebe ist die höchste der göttlichen Tugenden. Deshalb schreibt Paulus an die Gemeinde von Korinth : „ Es bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; doch am größten unter ihnen ist die Liebe.“ (  1 Kor 13, 13 ).

Und Jesus machte die LIEBE ( CARITAS ) zum neuen Gebot.

„Ein neues Gebot gebe ich euch: Liebt einander ! Wie ich euch geliebt habe, so sollt auch ihr einander lieben.“ (  Joh 13, 34)

So rufen wir zum Heiligen Geist: „ … gieß Liebe in die Herzen ein!“ In einem der Pfingstlieder singen wir: „ Du mächtiger Hauch, unerschaffene Glut, Geist des Herrn, gib du uns neuen Mut, dass wir Gottes Liebe den Menschen künden und als Schwestern und Brüder uns finden.“ (GL 348 ).

Lassen wir den Heiligen Geist in  uns und durch uns wirken in einer Welt, in der wir leider auch das böse Wirken des Ungeistes  erfahren : Missachtung und Verletzung der Menschenwürde und der Menschenrechte, Fremdenfeindlichkeit,  Rassismus, kriegerische Kämpfe, Terrorismus,  brutale Gewalt, Machtegoismus, soziale Ungerechtigkeit,  Anwachsen von Aggressionen und Kriminalität, Umweltverschmutzung, Ausbeutung der Natur, Unversöhnlichkeit und weitere Rücksichtslosigkeiten und Lieblosigkeiten.

In dem Lied  „Komm, Heiliger Geist, der Leben schafft, erfülle uns mit deiner Kraft“ ( GL 342), der deutschen Übersetzung von „ Veni,  creator Spiritus“, bitten wir in der 4. Und 5. Strophe den Pfingstgeist :

„ Entflamme Sinne und Gemüt, dass Liebe unser Herz durchglüht und unser schwaches Fleisch und Blut in deiner Kraft das Gute tut.

Die Macht des Bösen banne weit, schenk deinen Frieden allezeit.  Erhalte uns auf rechter Bahn,  dass Unheil uns nicht schaden kann.“

Denken wir öfter an den Heiligen Geist ! Besonders  dann ,  wenn  wir Erleuchtung  brauchen , geistige Kraft, Rückenwind von oben,  um schwierige Hürden zu nehmen !

Die Jünger warteten damals auf die Kraft von oben.  Neun Tage waren sie nach der Himmelfahrt Jesu zusammen und beteten,  dass er ihnen den verheißenen Beistand senden möge.

Der Geist drängt sich niemandem auf.-   Öffnen wir uns innerlich immer wieder diesem Sanctus Spiritus und hoffen,  dass viele Menschen sich ihm öffnen und ihn wirken lassen. „ Entzünd in uns des Lichtes Schein,  gieß Liebe in die Herzen ein!“ ( GL 351 )

Unsere Welt ist krank ; nur Gottes Geist kann sie heilen.

„Komm herab, o Heiliger Geist, der die finstere Nacht zerreißt,  strahle Licht in diese Welt !“ ( GL 344)

Möge der Heilige Geist – der Saint Esprit – doch wie einst an Pfingsten herabkommen und das Antlitz der Erde erneuern.

 

Ihnen allen ein frohes und gnadenreiches Pfingstfest !

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In Gottes Hand ruht die Vergangenheit, die Gegenwart und die Zukunft

In Gottes Hand ruht die Vergangenheit, die Gegenwart und die Zukunft!

07.06.2014 / Geistliches Wort / Monsignore Ortwin Gebauer
 

Sein ist die Zeit und die Ewigkeit. Er ist der Ursprung und das Ziel alles Geschaffenen; so haben auch wir das Leben aus seiner Hand empfangen und werden es ihm einmal zurückgeben, wenn wir Abschied nehmen von dieser Welt!

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