Ein Bote der Hoffnung

Ein Bote der Hoffnung

01.11.2016 / Geistliches Wort /
 

von Monsignore Ortwin Gebauer

Ein Bote der Hoffnung

Die Apostelgeschichte und der zweite Paulusbrief an Timotheus (2 Tim 4, 6 – 8. 16 – 18) gewähren uns einen Blick in das Leben des Apostels. Dieses geht bald zu Ende – nach vielen Kämpfen und Enttäuschungen, die er durchstehen musste, zuletzt über die Gemeinde in Rom, die ihn beim Gerichtsverfahren im Stich gelassen und nicht verteidigt hat. Aus den vielen anderen Paulusbriefen können wir sein hartes Leben rekonstruieren. Wir wissen von seinen Folterungen, die er ertragen musste, von den Schiffbrüchen, die er überstanden hat, von den langen Fußmärschen, die er auf sich nehmen musste, um an den verschiedensten Orten das Evangelium zu verkünden (vgl. 1 Kor 4, 11 – 13; 2 Kor 1, 8 – 10; 11,23 -33 ). Paulus hat im Kreis seiner Mitbrüder schwere Auseinandersetzungen gehabt, in denen es um den richtigen Weg der Kirche ging (vgl. Apg 15, 1- 21). Er hat sich mit Petrus angelegt und ihm ins Angesicht widerstanden (vgl. Gal 2, 11- 16). Niemals hat er sich geschont, wenn es um den Glauben ging. „ Weh mir, wenn ich das Evangelium nicht verkünde“, war eines seiner Worte (vgl. 1 Kor 9, 16). Paulus war wirklich ein Kämpfer; und sogar von diesem harten Leben sagt er, dass es ein „ guter “ Kampf war. Wie konnte er das alles durchstehen?

Eine erste Antwort liegt in seiner Gewissheit, dass er nie allein gekämpft hat. Er hat bei all seinem Bemühen gewusst, dass Christus an seiner Seite ist. „ Ich vermag alles in dem, der mich stärkt“ ( Phil 4,13 ), hat er der Nachwelt hinterlassen. Er verstand sich als schwacher Diener, der aus sich nicht viel vollbringen kann. Er konnte mit hoher Intellektualität  zu den Menschen von Gott sprechen, aber vollendet wurde seine Verkündigung durch den, der an seiner Seite war. Viele Worte sind uns von Paulus in seinen Briefen überliefert, in denen er seine Bescheidenheit und Demut zum Ausdruck bringt. „Wenn ich schwach bin, dann bin ich stark “; natürlich meinte er das Starkwerden durch Gott (2 Kor 12, 10 ). Oft setzt Gott gerade bei den Schwachen und Hilflosen an, um mit ihnen seine Ziele zu erreichen. Erstaunlich ist die Sicherheit, mit der der Apostel seinen Lohn erwartet. „ Schon jetzt liegt für mich der Kranz der Gerechtigkeit bereit, den der Herr, der gerechte Richter, an jenem Tag geben wird.“ Paulus hat seinen Herrn geliebt, weil er von ihm bis ins Tiefste überzeugt war und weil er wusste, dass er immer an seiner Seite war und ihm die Kraft zum Handeln geschenkt hat.

Die Welt kennt nur das Ende, wir Christen haben ein Ziel, auf das wir zugehen. Aus dem ganzen Text von 2 Tim 4, 6 – 8. 16 -18 spricht die Gewissheit vom ewigen Leben.

Obwohl tief in jedem Menschen die Sehnsucht nach der Ewigkeit steckt, ist sie doch bei vielen Menschen verschüttet. Sie setzen nur auf das Diesseits und hoffen in dieser Zeit auf die Erfüllung ihrer Wünsche. Darum muss das Leben möglichst lange dauern, damit auf dieser Erde alles noch erledigt werden kann. So freuen sich die Menschen, wenn sie 80 oder 90 Jahre alt werden. Dann aber ist für sie alles vorbei.   Früher wurden die Menschen nur 50 oder 60 Jahre alt; aber sie hatten eine Ewigkeit vor sich. Das ist der Unterschied!

Unser christlicher Glaube spricht von einem „ himmlischen Reich“  , in das wir gelangen sollen. Der zweite Paulusbrief an Timotheus  spricht von einem „ Aufbruch“. Das deutet nicht auf ein Ende hin, sondern auf einen Neubeginn bei Gott.

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