Der Heilige Geist - sein Wirken heute

 

Ort der Anwesenheit und der Erfahrbarkeit des Gottesgeistes ist das moralische Bewusstsein des Menschen. Es ist mit dem Menschsein gegeben. Das Gewissen ist das Organ für die Wahrnehmung des Heiligen Geistes. Jeder Mensch hat das sozusagen angeborene Wissen, das er bei sich und bei allen anderen stets voraussetzt: Ich bin dem Guten absolut verpflichtet. Ich lebe unter dem unbedingten Anspruch, das Gute zu erkennen und das Gute zu tun und nur das Gute zu tun. Ich bin nicht total festgelegt, nicht vollständig determiniert, sondern auch frei und zugleich verantwortlich. An mich ergeht beständig ein Wort von oben, dem ich Antwort zu geben habe. Nur so werde ich meiner Verantwortung gerecht. Die rechte Antwort besteht darin, dass ich das und nur das tue, was gut ist für mich, für alle anderen, für die Welt, dass ich so selbst gut werde und den Pegelstand des Guten in der Menschheit anhebe. So mache ich Tag für Tag, Stunde für Stunde meine ganz persönliche Heilig-Geist-Erfahrung.

Ich erfahre aber auch das Wirken des Heiligen Geistes in meiner Umgebung und weltweit. Wo die Menschen sich um die Erkenntnis des Wahren und Guten bemühen, wo Menschen auf die Verwirklichung des Guten bedacht sind, gerade auch dort, wo ihnen dabei Verzicht abverlangt wird, wo sie dabei Benachteiligung in Kauf nehmen, im Extremfall sogar ihr Leben drangeben, da wird das Wirken des Heiligen Geistes und damit der Heilige Geist selbst wahrgenommen. Wo also Menschen aufrichtig beten und lieben, wo sie wahrhaftig und treu sind, wo sie sich versöhnen und wo sie verzeihen, teilen und aufrichten, wo sie trotz allem nicht verbittern und verzweifeln, wo sie trösten und helfen, da ist der Heilige Geist am Wirken und erfahrbar.

An einem Punkt der Geschichte machten und machen Menschen eine unüberbietbare Heilig-Geist-Erfahrung: in Jesus von Nazareth. Diejenigen, die den irdischen Jesus erlebten und sich ihm öffneten, nannten ihn: hebräisch Messias, griechisch Christus, zu deutsch Gesalbten: den vom Geist Gottes Gesalbten, den vom Geist Gottes Erfüllten. In ihm begegneten sie dem Guten schlechthin, Gott. Es wurde ihnen zur Gewissheit: Wenn wir in Verbundenheit mit ihm leben und unser Existieren an ihm orientieren, dann haben wir die höchste Möglichkeit, human zu werden und zu humanisieren, aus unserem Leben das Beste zu machen und den Mitmenschen in der bestmöglichen Weise zu dienen.

„[…] Wo wirklich gelebtes Christentum erfahren wird, überall dort wird auch heute der Heilige Geist als anwesend und wirksam erfahren.“ (Anton Schlembach)

Der Heilige Geist, der Geist des Friedens, führe mit seinem Licht und seiner Stärke alle Bemühungen um die Beendigung des Krieges in der Ukraine und in Syrien zum Erfolg!

 

Allen ein gesegnetes Pfingstfest!

Mindelheim, 30.05.2022, Msgr. PhDr. Ortwin Gebauer M. A.

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Zitat von Pater Anselm Grün

Liebe Ordensschwestern und Ordensbrüder,

Als Geistliches Wort zu Pfingsten habe ich diese Betrachtung von Pater Anselm Grün aus seinem Buch "Wie hältst Du´s mit der Religion", erschienen im Vier-Türme-Verlag, herausgesucht, die die Bedeutung des Heiligen Geistes uns gut vor Augen führt. In diesem Sinne wünsche ich allen ein frohes und gesegnetes Pfingstfest.

Euer Msgr. Ortwin Gebauer
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Christus, der Retter, ist geboren

Wer glücklich werden will, soll nicht so sehr an sich denken, sondern mehr an die Anderen. Wer ständig um sich selbst kreist und sich zum Thema seines Lebens wählt, ist nicht bloß unglücklich, sondern verfehlt sein Leben. Der Mensch ist auf Kommunikation hin geschaffen und kann sich selbst allein niemals genügen.

Andere glücklich machen - das sollte unser Ziel sein! Zu diesen "Anderen" gehören auch die, die sich auf der Schattenseite des Lebens befinden, die vom Glück ausgeschlossen sind, weil kein Platz für sie da ist. Gemeint sind die Hungernden in der Welt, die Armen, Kranken, Alten, Alleinstehenden, Verlierer, Schuldigen, Verängstigten, Freudlosen, die vom Schicksal Getroffenen, die unter die Räder Gekommenen.... Die Reihe ließe sich beliebig fortsetzen.

Einer der Vorkämpfer gegen die Not in der Welt, vor allem gegen den Aussatz, der französische Arzt Raoul Follereau, hat einmal in einem Weihnachtsgedicht gesagt:

"In der Heiligen Nacht ward in der Krippe der Arme geboren, dessen Liebe die Welt verändern sollte. Weihnacht! Seit jener Nacht hat niemand das Recht, ganz allein glücklich zu sein"

Richten wir unseren Blick wieder auf die beglückende Kunde des Engels: "Ich verkünde euch eine große Freude, die allem Volk zuteil werden soll. Heute ist euch der Retter geboren, Christus, der Herr." (Lk 2,10). Er will, dass wir einander lieben, wie er uns geliebt hat.

OB Msgr. PhDr. Ortwin Gebauer
Ordensgeistlicher


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Das Christsein in und nach der Corona - Pandemie

Trotz der schweren Krise wurde Ostern nicht abgesagt. Freilich mussten wir heuer das höchste Fest der Christen unter ganz anderen Umständen begehen. Es schmerzt sehr, dass die Gottesdienste in den Kirchen ohne sichtbare Anwesenheit der Gemeinde gefeiert werden müssen. Allerdings gibt es - nicht nur an den Osterfeier-tagen - ein großes Angebot an Gottesdienstübertragungen in Rundfunk und Fernsehen. In vielen Familien wurden Hausgottesdienste gefeiert.

Ostern, das 50 Tage bis Pfingsten dauert, will Hoffnung schenken. Gott ist ein "Freund des Lebens". Er will nicht unseren Untergang, sondern dass wir mit ihm und durch ihn und in ihm leben. Diesen österlichen Glauben dürfen wir uns gerade in Krisen-zeiten nicht nehmen lassen. Denn das Vertrauen auf Gott macht uns stark.  Es stärkt uns im Miteinander- und Füreinander-Dasein. Es ist eine Kraftquelle, die uns über uns hinauswachsen lässt. Beim Osterspaziergang - allein oder mit der Familie -, der trotz der Ausgangsbeschränkungen erlaubt war, konnten wir uns an der Schönheit der zum Leben erwachten und aufblühenden Natur erfreuen, die auf unseren Schöpfer hin-weist, die Quelle des Lebens. In einem "Gebet in schwerer Zeit" heißt es:

"Du schenkst uns Hoffnung und Trost in dieser schweren Zeit. Angesichts der weltweiten Verbreitung von Krankheit, Not und Tod bitten wir Dich: 

Lass nicht zu, dass Unsicherheit und Angst uns lähmen. Sei uns nah in der Kraft des Heiligen Geistes. Lass uns besonnen und verantwortungsvoll handeln und uns gegenseitig schützen. Schenke uns Gelassenheit und die Bereitschaft, einander zu helfen und beizustehen. Sei mit allen, die politische Verantwortung tragen. Sei mit allen, die gefährdete und kranke Menschen begleiten und medizinisch versorgen.

Lass uns erfinderisch sein in der Sorge füreinander und schenke uns Mut zu Solidarität und Achtsamkeit. Gütiger Gott, steh und bei in dieser Zeit, stärke, ermutige und segne uns. Amen."

Die an der Corona - Erkrankung Verstorbenen empfehlen wir der Barmherzigkeit unseres auferstandenen Herrn, der die Macht des Todes überwunden und der uns verheißen hat: "Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er gestorben ist."

Möge das Licht des Ostermorgens - das Lamm Christi - hineinstrahlen in die Dunkelheit dieser Zeit und unsere Herzen erhellen. Sein Licht ist stärker als die Dunkelheit.

Es ist sicher noch zu früh, um Erfahrungen aus dieser Krisenzeit zu deuten. Wir spüren aber schon, dass diese Krise deutliche Spuren hinterlassen wird, die für einen gläubigen Menschen auch eine geistlich-religiöse Dimension haben. Papst Franziskus hat in seinem Gebet auf dem menschenleeren Petersplatz am 27. März 2020 gebetet: "Herr, Du rufst uns auf, diese Zeit als eine Zeit der Entscheidungen zu nutzen. Wir sollten entscheiden, was wirklich zählt und was vergänglich ist. Es ist Zeit, das Notwendige von dem zu unterscheiden, was nicht notwendig ist. Es ist Zeit, den Kurs des Lebens wieder neu auf Dich, Herr, und auf die Mitmenschen auszurichten."

Ich wünsche uns allen, dass wir gut durch diese Krise kommen, heil an Seele und Leib, aber auch mit einem neuen Blick auf die Welt und unser Leben. Möge uns der Glaube an den auferstandenen Herrn Orientierung und Kraft, Halt und Hoffnung in der Krise schenken.

Gott ist bei uns. Sein Segen ermutige, stärke und schütze uns alle!


Msgr. Ortwin Gebauer 
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